Olympus OM-D

Promo-Workshop

Letzten Samstag Nachmittag war ich in Nürnberg beim Olympus OM-D Promo-Workshop – wobei der Titel Workshop vielleicht etwas übertrieben war: Olympus hat es mit einer wirklich sehr guten Marketing-Idee geschafft, Fotografen und potentielle Käufer aus den unterschiedlichsten Sparten zu einer Art Produkt-Test-Präsentation einzuladen. Für eine Teilnahmegebühr von 30€ durften alle Teilnehmer vier Stunden lang eine Olympus E-M5 OM-D testen, und anschließend (zusammen mit einer erweiterten Produktbroschüre) die beigelegte, und im Laufe des Workshops gefüllte, SanDisk 8GB SD-Karte mit nach Hause nehmen.

Der Workshop

Der vierstündige Workshop war in ca. eine Stunde Einführung in die Kamera, sowie ca. zweieinhalb Stunden Shooting mit drei Models aufgeteilt. Der Workshop wurde von dem Nürnberger Fotografen Thomas Gauck geleitet, der in der ersten Stunde die OM-D in Details und Eigenarten erklärt, und alle möglichen Fragen dazu beantwortet hat. Verständlicherweise ist bei dieser Art Workshop das Know-How der Teilnehmer breit gestreut, und so kamen einige vielleicht auch unnötige für mich uninteressante Fragen z.B. zu Doppelbelichtungen in Kombination mit den eingebauten Art-Filtern… Thomas konnte jedenfalls alle relevanten Fragen gut und schnell beantworten – was bei der Fülle der Funktionen und Möglichkeiten der OM-D für eine gute Vorbereitung mit der Kamer spricht.
Nach ca. einer Stunde (es hört draußen Punktgenau auf zu regnen) ging’s also raus. Vom Hotel Weisses Roß in Behringersdorf aus ist man zu Fuß schnell im Grünen, und die Sonne lies sich auch langsam wieder blicken. Die beiden Assistenten, die den Workshop mit betreuten hatten jeweils einen großen California Sunbounce Pro Reflektor dabei, und standen mit Rat und Tat bereit, um Schatten aufzuhellen, oder in Gegenlichtsituationen für Frontlicht zu sorgen.

Die Kamera

Das erste, was mir aufgefallen ist: Das Teil ist winzig – zumindest, wenn man den Hochformat-/Batteriegriff abnimmt! OK, die kompakte Größe ist wohl auch die Idee hinter der OM-D – aber, wenn man eine D700/D800 mit Hochformatgriff gewöhnt ist, dann wird die Bedienung der kleinen OM-D ganz schön fummelig.
Die Kameras waren alle mit HLD-6 Batteriegriff ausgestattet, wodurch die Bedienung zwar etwas besser wurde, aber der Größenvorteil gar nicht mehr so extrem war, wie bei einer „nackten“ OM-D. Allerdings liegt die Kamera mit der Griff-Kombi deutlich besser in der Hand, als ohne – auch, wenn der zweite Auslöser oben etwas gewöhnungsbedürftig ist.
Auf dem folgenden Bild sieht man ganz gut, was ich meine:

Links der Auslöser des Batteriegriffs, rechts daneben der Auslöser am Body. Um die Auslöser je ein Wahlrad für Blende/Zeit usw.

Am meisten Probleme hatte ich aber mit der Wippe auf der Rückseite: Ich wähle mein Fokusmessfeld je nach Kompositions-Idee vorher aus, oft auch noch während ich die Kamera noch nicht mal vor dem Auge habe, und korrigiere dann, während ich durch den Sucher schaue. Die Tasten der OM-D sind aber leider so klein geraten, daß ich hier kein einziges Mal auf Anhieb die richtige getroffen habe. Meistens habe ich erstmal die Menü oder die Info-Taste gedrückt, die direkt über der „Wippe“ liegen (eigentlich ist es keine Wippe in dem Sinn, sondern ein Fünf-Tastenfeld).
Sehr überrascht war ich allerdings von dem elektronischen Sucher! Ich hatte eine schlechte Sicht und Kontroll-Möglichkeit erwartet, und irgendwann im Laufe des Workshops festgestellt, daß ich völlig vergessen habe, daß es kein optischer Sucher ist. Und das trotz richtig starkem Sonnenschein im Gegenlicht. Gut – er könnte größer sein, aber ich bin auch 100% Vollformatsucher gewöhnt 😉
Für spezielle Perspektiven sicher interessant, aber für mich nicht wirklich nötig ist das klappbare Display. Für die potentielle Käuferschicht dürfte aber das Display und der Live-View durchaus interessant sein; zumindest wurde es vor Ort von einigen Teilnehmern auch rege benutzt. Achja, es handelt sich bei dem Display übrigens um einen Touchscreen. Man kann damit den Focus steuern, durch die geschossenen Bilder blättern, vergrößern usw. – wenn man’s braucht ein nettes Feature.

Klappdisplay der OM-D – man beachte schonmal das Bokeh im Grünen Hintergrund 🙂

Objektive & Autofokus

Ich kam leider erst recht knapp zum Workshop-Beginn (als letzter von 15 Teilnehmern), und habe deshalb kein M.Zuiko 45 mm/f1.8 mehr bekommen, weshalb ich Anfangs mit dem 12-50mm/f3.5-6.3 Kit-Objektiv fotografiert habe. Das hat mich doch erstmal sehr ausgebremst. Aktuell fotografiere ich mit meinen Nikons meistens mit Festbrennweiten, oder lichtstarken Zooms – vor allem mit durchgängiger Lichtstärke über den gesamten Brennweiten-Bereich. Wenn ich das Licht einigermaßen schätzen kann, belichte ich am immer manuell. Das habe ich auch mit dem Olympus Zoom versucht… Also Licht schätzen, einmal abdrücken, auf dem Display kontrollieren, evtl. korrigieren, und der Lack passt. Nicht so mit einer Zoom-Optik, die mit zunehmender Brennweite abblendet… Also muß ich meine Herangehensweise ändern, oder das Objektiv wechseln. Zum Glück fand sich ein anderer Teilnehmer, mit dem ich das M.Zuiko Digital 45 mm/f1.8 gegen mein Zoom tauschen konnte – jetzt weiß ich auch wieder, warum ich in meinem Fotorucksack nur durchgehende Lichtstärken mit mir rumtrage 🙂
Das 45mm Objektiv wird durch die Brennweitenverlängerung des Micro Four Thirds Chip zu einem 90mm, also zum optimalen Portrait-Objektiv. Ich habe es meistens auf f2 abgeblendet, der Schärfeverlauf ist damit für den kleinen Sensor wirklich spektakulär, vor allem, wenn man das Gewicht und die Größe der Kamera mit Objektiv mit in Betracht zieht.
Der Autofokus ist übrigens mit beiden Objektiven wirklich rasend schnell. Da kommt keine DSLR (die ich bisher in der Hand hatte) ran – zumindest wenn man das richtige gewünschte Fokus-Messfeld endlich mit den winzigen Tasten gewählt hat 🙂

Bildqualität

Der 16 Megapixel Sensor der OM-D schreibt RAW-Dateien mit ca. 14-19MB pro Bild auf die SD-Karte. Lightroom 4 kann die ORF-Dateien zwar öffnen und verarbeiten, allerdings stehen keine Objektiv-Profile zur Korrektur zur Verfügung. Bei 45mm Brennweite brauche ich die aber auch eher nicht, zumindest sehen die Bilder nicht aus, als hätten sie dringend eine Verzeichnungskorrektur nötig…

Aber lassen wir ein paar Bilder sprechen… übrigens alles per Lightroom nachbearbeitet (für mich zählt das Ergebniss):

Schöner Schärfeverlauf, 1/800s bei f2
Gute Freistellung bei f1.8 (1/800s), aber durch den kleinen Sensor isg. höhere Schärfentiefe als ich vom Vollformat gewöhnt bin.
Die Chromatischen Aberrationen sind am linken Arm im Gegenlicht relativ stark, aber bei der Lichtsituation auch nachvollziehbar…
Sehr gute Naheinstell-Grenze und satte Schärfe
100% Ausschnitt ohne Nachschärfen aus Lightroom exportiert – für meinen Geschmack im richtigen Maße „weich“
Tolles Bokeh, durch die sieben gerundeten Blendenlamellen

Fazit OM-D

Nach den ca. zwei Stunden Shooting muß ich sagen, daß die OM-D eine tolle kompakte Kamera ist, an der ich allerdings deutlich den Bedien-Komfort meiner Nikons vermisse. Die erzielbaren Ergebnisse sind meiner Einschätzung nach für die Preisklasse absolut in Ordnung, und für die Zielgruppe der Kamera richtig gut – die Zielgruppe würde ich übrigens auf ambitioniert Amateure festlegen. Ich wünsche mir zwar manchmal eine kompakte Kamera mit entsprechenden Gestaltungsmöglichkeiten, aber die OM-D würde ich wegen den Problemen, die ich mit der Bedienung hatte eher nicht kaufen – ich bin aber auch vom Bedienkomfort deutlich größerer und teuerer Kamerabodies verwöhnt.

Fazit Workshop

Wie oben schon geschrieben, würde ich die Veranstaltung nicht unbedingt als Workshop bezeichnen, sondern eher als gut geführte Produkt-Präsentation. Ein paar nützliche Tipps zum Umgang mit den Models und der Wahl der Shooting-Location konnte aber sicher jeder Teilnehmer vom Workshopleiter Thomas Gauck aufschnappen. Ich bin vor allem wieder mal daran erinnert worden, daß ich öfter meine Bouncer einsetzen sollte. Das superweiche und gut steuerbare Licht macht einfach Spaß. Allerdings braucht man dazu auch immer einen guten Assistenten (wie die beiden anwesenden Helfer) – Laien muß man oft zu viel helfen/erklären beim Bouncen.
Zuletzt ein Lob an die drei Models; teilweise wurden sie von fünf oder sechs OM-D Fotografen gleichzeitig belagert, und Einer nach dem Anderen hat immer „Bitte zu mir schauen!“ gerufen.

Und hier noch die restlichen Bilder:

Umlagertes Model… M-Zuiko 12-50mm @ 50mm, 1/125s, f6.3
Der Workshop-Leiter Thomas Gauck
M.Zuiko 45mm, 1/2000s, f2
M.Zuiko 45mm, 1/1600s, f2
M.Zuiko 45mm, 1/250s, f2
M.Zuiko 45mm, 1/250s, f2
M.Zuiko 45mm, 1/400s, f2
M.Zuiko 45mm, 1/1600s, f2

9 Kommentare

  1. Man bist du schnell – und dann auch noch ein so ausführlicher Bericht. Werde ich wahrscheinlich – zumindest in Bezug auf die Kamera – so ähnlich schreiben. Komm' aber erst gegen Ende der Woche dazu. 😉

  2. Ein umfänglich nachvollziehbarer Erfahrungsbericht. Vielen Dank hierfür an Lucky Horn. Seine Bildergebnisse zeigen, wie schnell er "OM-D-fit" war, und großartige Bilder ablieferte.

    Und ja: nur die Bildergebnisse zählen. Michelin-Sterne gibt es auch unabhängig von den eingesetzten Kochtöpfen.

    An der Stelle möchte ich noch kurz erwähnen, daß die Location direkt in Ortsnähe ein Wetterkompromiß war. Mit anderen Gruppen fuhren wir ins einige Kilometer entfernte Beerbach, dort waren die Sets etwas abwechslungsreicher.

    Danke Lucky Horn.

  3. Toller Bericht, spricht mir aus der Seele. Ich war ja auch beim Workshop dabei und habe mich aber ziemlich schnell an die OM-D "gewöhnt". Sie ist zwar etwas klein aber ein unglaublich Technikpaket – und das was rauskommt ist echt überzeugend. Am Sonntag war ich noch einem zweiten Workshop in München im Studio. Da hat die OM-D nochmals gezeigt, dass sie echt ernst zu nehmen ist.

    Danke Lucky Horn für den Bericht und immer tolles Licht!

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