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D800 Erfahrungsbericht

weniger Probleme als andere

Seit gut zehn Tagen habe ich jetzt die D800 im Fotorucksack, morgen kommt sie beim ersten richtigen Shooting zum Einsatz. Trotzdem war sie bisher auch schon für den einen oder anderen Test mit unterwegs. Ich wüßte ja beim Shooting gerne, was sie kann, und nach den kritischen Blogposts z.B. vom geschätzten Stilpiraten (und Teil 2) will ich natürlich sicher gehen, daß ich sie im Griff habe.

Also hier jeweils meine Eindrücke zu den Problemen:

Vorneweg: Stativ

Ich fotografiere sehr selten mit Stativ; alle Bilder dieses Artikels sind Freihand geschossen – natürlich muß man eine Kamera richtig halten; wer’s noch nicht kennt, bekommt hier bei Joe McNally einige Tipps – übrigens auch in seinem Buch The Hot Shoe Diaries.

Autofokus

Bisher sitzt der bei mir sehr gut; wenn ich mich konzentriere. Das ist auch bei meiner D700 so – je exakter man arbeitet, desto besser wird die Bildausbeute. Ich habe den Autofokus auf den AF-ON Button gelegt, Druck auf den Auslöser fokussiert nicht. Meistens bin ich im AF-S Modus, außer bei Sport (dann AF-C), was ich aber eher selten mache (äh, Bilder davon meine ich…). Ich wähle manuell eines der 51 Messfelder mit der Wippe aus.
Hier ein Beispiel von einem Konzert in der Zwinger Bar in Nürnberg letzten Donnerstag (Supersoft spielten mal wieder). Leider
ist dort unglaublich wenig Licht, und das bischen kommt fast komplett aus billigen LED-Scheinwerfern, was nicht gerade zu sauberen Farben führt, aber doch ein ganz guter Test für den Autotofokus und die High-ISO Performance war.

Fertig entwickeltes Bild aus Lightroom mit Nikon AF-S 50/1,4G @1/80s, f2.0, ISO5000

100% Crop ohne Nachschärfen. Rauschreduzierung ist bereits aktiviert.

Ich hatte zwar die D700 nicht zum Vergleichen dabei, bin aber der Meinung, daß sie eine ganz ähnliche Leistung gebracht hätte.

Alte bzw. ungeeignete Objektive

Ich habe ein ziemlich altes Sigma ED 300/2,8, und bin letzte Woche damit mal losgezogen, um herauszufinden, ob ich das besser abstoße, oder behalte.
Fazit: Das Sigma bleibt! Hier zwei damit geschossene und nacher entwickelte Bilder.

Ausschnitt (die Viecher wollten einfach nicht näher her kommen) – 300mm, 1/400s, f3.5, ISO2000, freihand

300mm, 1/400s, f3.5, ISO2000, freihand

Ein Stativ würde bei den langen Brennweiten sicher nochwas rausholen, aber mir reicht die Schärfe hier durchaus. Das AF-S 17-35mm 1:2,8D hab ich bei dem kurzen Ausflug auch noch ausprobiert:

17mm, 1/80s, f4, ISO100

Aus das Nikon AF-S 28-70mm 1:2,8 ED hat bei den ersten Experimenten keine Schwächen gezeigt. Wie gewohnt bei f2,8 gut, bei f4 sehr gut.

AF-D geht nicht? Abblenden bringt ab f8 keine Schärfe? – ach was…

Aktuell habe ich noch ein Mikro Nikkor AF-D 60mm/2,8 ausgeliehen, und damit mal den Makro-Bereich getestet. OK, fokussieren ist mit dem Makro nicht ganz so einfach, aber ohne Stativ und mit beweglichem Motiv ist das ganz normal. Beim folgenden Bild habe ich mit der kleinen Lastolite-Softbox seitlich geblitzt, und das Mikro Nikkor auf auf f20 abgeblendet, um eine möglichst hohe Schärfentiefe zu bekommen. Vorher, mit f7.1 war mir die Schärfentiefe zu gering…

60mm, 1/200s, f20, ISO100, Abstand ca. 20cm, ziemlich knapp an der Naheinstellgrenze

100% Crop, ungeschärft

Abstürze

Die D800 ist bisher bei mir nicht abgestürzt. Ich habe aber auch keinen Akku, der von irgendwelchen Problemen betroffen ist, und von Nikon ausgetauscht wird. Im MB-D12 verwende ich acht Eneloops als Stromversorgung, und in der D800 steckt noch der EN-EL15e als Reserve. Abstürze hatte ich früher mit der D200 öfters, bis ein Firmware-Update die Probleme gelöst hat. Damals hatte ich das Gefühl, daß sich die Kamera manchmal nach dem Objektivwechsel aufgehängt hat. Beide Akkus kurz raus, und alles lief wieder – das war bei der D200 mit MB-D200 aber auch schnell erledigt, da die Akkus ja beide im Hochformat-Griff untergebracht waren…

Display

Der einzige Kritik-Punkt, den ich wirklich verstehen kann ist die Sache mit dem farbstichigen Display. Es hat tatsächlich einen grünstich. Auch wenn Nikon angeblich behauptet, die Farbe sei exakter als bei den bisherigen Displays, glaube ich trotzdem, daß sie mit dem ersten Firmware-Update den Grün-Kanal für die Display-Darstellung einfach etwas absenken werden. Am Rechner sieht das alles übrigens sehr gut aus, der Weißabgleich passt. Wenn ich meinen Kunden während des Shootings Bilder auf dem Kamera-Display zeige, erkläre ich sowieso von Anfang an schon, daß die Farben noch nicht verbindlich sind.
Was mir übrigens auch noch negativ aufgefallen ist: Die Display-Abdeckung (hab ich eigentlich immer drauf) ist zum ersten mal bei einer Nikon in meinen Händen wirklich wackelig. Die obere Nase des Kunststoff-Teils ist einfach zu schmal für die Kerbe in der Kamera. Das hatte ich bei noch keiner meiner Kameras (weder D100, D200, D700 oder D7000), und es wundert mich ehrlich gesagt etwas. Vielleicht ist das aber auch nur bei mir so – wirklich stören tut’s nicht.

Rechnerleistung

Was mich noch wundert ist, daß mein Achtkern-MacPro (2 x 2.8GHz Quad-Core Xeon, 6GB Ram) unter Lightroom (4.1 RC2) mit den RAWs doch relativ langsam ist. Allerdings läuft das System auch schon seit gut drei Jahren ohne Neuinstallation (10.6.8). Demnächst steht hier Umrüsten auf SSD System-Platte und Lion an – frisch aufgesetzt dürfte das dann hoffentlich etwas schneller werden.

Fazit

Bei Steffens zweitem Post zur D800 habe ich in den Kommentaren gelesen, daß jemand vom Nikon Support geraten bekam, bei Hochzeits-Fotos im Standesamt, Kirche und Party lieber die D700 zu verwenden. Das kann ich so nicht nachvollziehen. Ich würde sie sofort mit ins Standesamt/Kirche nehmen, und hätte keine Bedenken, daß ich mit ihr nicht klarkomme. Die D700 ist sowieso als Backup-Kamera noch mit dabei.
Ich bereue den Kauf bisher nicht, und mein Fotorucksack fühlt sich aktuell (bis auf das noch ausstehende 85er) recht komplett an. Ich würde jedem Skeptiker raten eine zu leihen, und sich selbst ein Bild davon zu machen. Wer sie noch nicht in den Händen hatte, verbreitet bitte auch keine Halbwahrheiten drüber!

Zum Schluß noch ein Video, in dem die D800 mit einer Hasselblad H4D-40 verglichen wird. Ich finde das Video vor allem interessant, weil nicht mit Gewalt versucht wird die D800 schön zu reden. Natürlich liefert die Hasselblad bessere Ergebnisse, aber die D800 kommt verdammt nah ran.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für den Erfahrungsbericht! Im Internet werden wirklich sehr viele Halbwahrheiten verbreitet! Am schlimmsten finde ich das ständig wieder aufkommende Argument, die 36 MP wären zuviel. Ich kann das nicht nachvollziehen. In Zeiten der digitalen Bildbearbeitung kann man meiner Meinung nach die 36 MP für Online Presentationen super verwenden! Gerade weil wir uns immer mehr richtung 4K Technologie bewegen und der ganze Full HD Kram sich so langsam verabschieden wird :) Ich finds super! Ich weiss das es bei 10×15 keinen Unterschied macht aber das ist mir relativ egal :) Ich hab lieber Luft nach oben, daher spare ich nun schon die ganze Zeit für eine d800. Das wird meine nächste :)

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